Im Paradies für ganze Kerle

Im Paradies für ganze Kerle

Alf Roald Saetre ist der Seafood-Cowboy Norwegens. In den Fjorden taucht er nach Jakobsmuscheln, sein Restaurant liegt auf einer einsamen Insel. Und wenn er Steak will, schmeißt er dicke Lachse auf den Grill.

Am Nachmittag legt ein weißes Boot am Steg der Insel Holmen an, hinterm Steuer steht ein drahtiger Mann mit Lederhut, blauen Augen und kantigem Gesicht. Alf Roald Saetre stellt den Motor ab, springt an Land. Er sieht aus wie ein Cowboy, der sich in die norwegische Fjordwelt verirrt hat.

Breitbeinig steht er am Steg, Jeans, grauer Bart, zieht sich seinen Kängurulederhut in die Stirn und sagt: "Ich habe verdammten Hunger, vierzehn Tauchgänge in acht Grad kaltem Wasser machen aus dir einen Bären mit leerem Magen."

Drei Tage war er mit seinem Boot draußen, lag vor Anker und ging auf Tiefe. Denn Alf ist kein Cowboy, sondern waschechter Norweger, obendrein professioneller Fischer und Muscheltaucher. "Das Meer ist meine Speisekammer", sagt er. "Von ihm leben wir auf der Insel Holmen." Und wie sie davon leben! Alf hievt eine große Kiste von Bord. Darin liegen, silbrig und auf Eis gebettet, fünf mächtige Lachse. Vierzig Kilo feinste Ware, direkt aus dem Meer.

Sie nennen ihn "Seafood-Dundee". Weil er ständig seinen abgewetzten Jacaru-Hut trägt, ein Mitbringsel aus Australien. Und weil er mit Lachsen und Meeresfrüchten sein Geld verdient.

NACH DEM TAUCHEN HAST DU HUNGER WIE EIN BÄR MIT LEEREM MAGEN

RestaurantVor zehn Jahren kam er auf die kleine Insel Holmen vor Bergen und eröffnete dort mit seinem Freund Odd Einar Tufteland das Restaurant "Cornelius", inzwischen ein kulinarischer Kult-Treff in den norwegischen Fjorden. Besucher aus aller Welt kommen, um die Fischgerichte der beiden Norweger zu essen. Die beiden sind hier in ihrem Paradies gelandet. Alf ist der Abenteurer, der Jäger. Odd Einar ist Koch und Geschäftsführer des Restaurants. Dass das "Cornelius" so bekannt geworden ist, mag an der schlichten Philosophie der beiden liegen: "Wir fangen nicht, was wir servieren wollen. Wie servieren, was wir fangen. Basta."

Kleine Wellen schmatzen an den Felsen, hinter den Bergen und der Insel Bjorøy liegt der off ene Atlantik. Und dort, in den Fischfarmen vor Bergen, schwimmt Alfs liebster Leckerbissen: der Salmo salar, der Atlantische Lachs.

Noch am Abend steht die Sonne über den Fjorden, und nach drei Tagen auf dem Meer ist es Zeit, was Ordentliches zwischen die Kiemen zu kriegen. Alf setzt sich dafür nicht an einen der weiß gedeckten Restauranttische, er zieht sich zum Grillen an den Steg zurück. "Was ich jetzt brauche, ist ein anständiges Stück Lachs."

VOM MEER AUF DIE KOHLEN: PRÄCHTIGE ATLANTISCHE LACHSE

In Norwegen ist der Lachs der Fisch der Fische, alte Tradition, und die beiden essen ihn am liebsten direkt vom Feuer und unter freiem Himmel. Alf und Odd Einar grillen sich Lachsburger, schmeißen kapitale Acht-Kilo-Burschen auf den Grill, räuchern den Fisch auf der Holzplanke und machen sogar Wurst daraus.

"Lachs ist unser Fleisch", sagt Alf. "Hat kaum Fett, aber schmeckt saftig wie Steak." Zudem seien die norwegischen Lachse gesund, äußerst schmackhaft und beim Grillen ratzfatz fertig.

Heute will Alf Lachssteaks. Odd Einar schneidet den frischen Fisch auf den Felsen in große Brocken. Alf steht schon am Grill, nimmt die dicken Stücke und legt das rosa Fleisch mit der weißen Zeichnung über die glühenden Kohlen. Die beiden reden jetzt nicht mehr viel. Sitzen am Wasser und wollen ihre Ruhe. Alf schaut schweigend aufs Meer, schnappt sich das erste große Stück und isst den krossen, zarten Lachs mit den Fingern.

Folge 2: Vom Meer in den Mund: Wie man ganze Lachse grillt
Folge 5: Außen Wurst, innen Lachs: Wie man Lachswürste macht
Folge 6: Lachs in die Mitte: Wie man Lachs-Burger macht
Folge 7: Auf dem Holzweg: Wie man Lachs traditionell in Norwegen grillt

Was Grill-Experten machen, wenn der Winter kommt:

Folge 3: Echte Kerle mögen’s rauchig: Wie man Lachs auf dem Herd räuchert
Folge 4: Lachs im Tauchbad: Wie man frischen Lachs haltbar macht